BMW-Freunde-Kraiburg/Inn
  02er Reihe
 

Und alles wurde gut

Ende der fünfziger Jahre herrschte das große Zittern bei BMW. Der Verkauf des Unternehmens schien möglich, doch die Bayern rappelten sich auf und retteten mit neuen Modellen ihre Selbständigkeit. Zum Star des Relaunch wurde der 02er BMW.



1966 präsentierte BMW den BMW 1600. Erst später bekam der Wagen den Kult-Namen "Null-Zwo"

Zunächst noch gar nicht als 02er bezeichnet, hieß das Auto bei seiner Präsentation vor der Münchner Oper anlässlich des 50. Geburtstags von BMW im Jahre 1966 BMW 1600. Das Datenblatt des Fahrzeugs wies unter anderem 85 PS, eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 13,3 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h auf. Seine Herkunft lässt sich auf die Limousine BMW 1500 zurückführen, die seit 1962 gebaut und verkauft wurde und als erster "neuer Typ" der weiß-blauen Autobauer gilt.

Schon damals wurde vor der Entwicklung eines neuen Fahrzeugs die Marktforschung bemüht, und diese Untersuchungen hatten ergeben, dass sportliche und kompakte Mittelklasse-Limousinen gefragt waren. Also entwickelte BMW ein entsprechendes Auto, das viertürige Modell 1500, und kam so den Kaufinteressen der Bundesbürger entgegen. Und als 1965 die BMW 700er-Reihe eingestellt wurde, fehlte ein zweitüriges Auto im Angebot. Übrigens sind es die beiden Türen gewesen, die dem Wagen später seinen Kultnamen "null-zwo" gegeben haben, denn die Modellbezeichnung setzte sich aus dem Hubraumkürzel und eben der Endung -02 zusammen (für die zwei Türen).


1967 kam das BMW 02er Cabrio auf den Markt

Beworben wurde das Auto damals mit Adjektiven, die auch heute noch gebetsmühlenartig wiederholt werden, wenn es um ein neues Fahrzeug in der unteren Mittelklasse geht: "Modern, kompakt, dynamisch, sportlich, mit einem vielfältigen Ausstattungsangebot, das sich durch stilistische und technische Geschlossenheit auszeichnet." Vor allem aber war der 02 ein recht günstiges BMW-Angebot, denn mit seinem Preis von 8650 Mark lag er deutlich unter dem Niveau der Viertürer.

Schnell hatte der Wagen seinen Ruf als Kurvenräuber weg. "Ein Sportwagen im Sonntagsanzug", formulierte ein Motorjournalist über den BMW 1600. Der darüber hinaus auch noch ziemlich gut aussah: Eine niedrige Gürtellinie und sechs große, steile Fenster ließen das Auto beinahe durchsichtig, auf jeden Fall aber schlank und leicht erscheinen. Dazu kam der kräftige Motor und ein vergleichsweise feines Fahrwerk, was den Ruf des Modells als "Heizgerät" festigte. 13.000 Exemplare verkaufte BMW gleich im ersten Jahr.


In Tourenwagen-, Flugplatzrennen oder Rallyeeinsätzen bewies der BMW 02 seine Alltagstauglichkeit

Logisch, dass die Tuningbranche den Wagen schnell zu einem ihrer Lieblinge auserkor. Und das Werk tat dasselbe. 1967 kam das Cabrio auf den Markt und der 1600 ti, ein auf 105 PS aufgemöbeltes Modell, das lediglich 960 Kilo wog und mit dem man entsprechend rasant unterwegs sein konnte. Im folgenden Jahr wurde das Angebot durch den 2002 mit 100 PS und den 2002 ti mit 120 PS erweitert. Die Vollgas-Fraktion wuchs, das Umrüsten des Wagens auf Doppelvergaser - falls die nicht ohnehin schon installiert waren wie etwa beim 2002 ti - wurde beinahe zur Selbstverständlichkeit.

Sein Image vom alltagstauglichen Sportwagen festigte der 02er endgültig durch seine Auftritte bei zahlreichen Motorsport-Veranstaltungen. Tourenwagenrennen, Flugplatzrennen, klassischen Rundstreckenrennen, Langstreckenrennen und Rallyeeinsätze waren das Metier des kleinen BMW.

Fahrerlegenden wie Hubert Hahne, Dieter Quester, Klaus Ludwig, Harald Ertl, Hans-Joachim Stuck und natürlich Niki Lauda (im Alpina-Rennstall) verfeinerten am Dreispeichen-Lenkrad des Autos ihre Driftkünste. Der Motorjournalist Clauspeter Becker nennt den Wagen "keinen heimlichen und keinen tückischen, sondern einen ehrlichen Übersteuerer". Soll heißen: Wer forsch in eine Kurve hineinrauschte, konnte damit rechnen, dass ihn das Heck auf der Außenbahn zu überholen versuchte.

Im orangen Lackkleid gehört der 02er zu den klassischen Autos der 70er, als sie noch jung und wild waren. In der Mitte des Jahrzehnts, im November 1975, ersetzt die heute noch existierende 3er-Baureihe die Kultserie aus München. Lediglich das kleinste Modell, der 1502 mit 75-PS-Motor wurde noch bis August 1977 gebaut.

 

 
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